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Putenhaltung in Deutschland: Europaweit einzigartige Standards Berlin. Hohe Qualitätsstandards, strenge Kontrollen und tiergerechte Haltung in offenen Ställen – das sind die wesentlichen Merkmale der Putenhaltung in Deutschland. Die Einhaltung der Standards überprüfen Amtstierärzte in unangemeldeten Kontrollen. Die schärfsten Kontrolleure der Haltungsbedingungen sind jedoch die Landwirte selbst. Denn wirtschaftliche Putenhaltung ist nur mit gesunden Tieren möglich. Mehrmals täglich überprüfen sie den Tierbestand und deren Versorgung.
Haltung in offenen Ställen
Bereits am Schlupftag werden die Küken von den Brütereien zu den großen Offenställen der Halter transportiert. Zunächst werden die Küken in Gruppen in so genannten Kükenringen gehalten, damit sie problemlos Wasser und Futter finden. Nach einer Woche werden die Ringe entfernt, und die Tiere können sich innerhalb des Stalls frei bewegen. Die Bodenhaltung in größeren Gruppen entspricht dem natürlichen Verhalten der Puten, denn sie sind Herdentiere. Wie viel Platz jedes Tier mindestens zur Verfügung haben muss, ist in den Haltungsbestimmungen geregelt. Die so genannte Besatzdichte darf standardgemäß 45 Kilogramm Gewicht pro Quadratmeter Stallfläche bei Putenhennen und 50 Kilogramm bei Putenhähnen nicht überschreiten. Nur bei Einhaltung strengerer Auflagen hinsichtlich Pflege und tierärztlicher Kontrollen der Tiere ist für Putenhennen eine Besatzdichte von höchstens 52 Kilogramm und für Hähne von maximal 58 Kilogramm Gewicht pro Quadratmeter Stallfläche zulässig. Die Stallungen sind mit einer Einstreu aus Hobelspänen und Stroh ausgelegt, damit die Tiere natürlichen Beschäftigungen wie Picken, Scharren und Staubbaden nachgehen können. Durch die offenen Längsseiten gelangen Licht und Luft in den Stall. Bei schlechter Witterung schützen Jalousien die Tiere vor Kälte und Regen.
Futtermittel: Abgestimmt auf natürliche Bedürfnisse der Tiere
Die Aufzucht dauert bei den Hennen insgesamt 16 Wochen, bei den Hähnen 22 Wochen. Während der Aufzucht erhalten die Tiere abhängig vom Lebensalter verschiedene Futtermittel mit variierenden Nährstoffanteilen und von unterschiedlicher Struktur. Die Futtermittel bestehen zu rund zwei Dritteln aus Getreide, wie beispielsweise Weizen und Mais. Soja, Erbsen und Raps liefern pflanzliches Eiweiß. Ergänzend werden wichtige Vitamine und Mineralstoffe gefüttert. Auf die Verwendung von Antibiotika zur Leistungsförderung verzichten die deutschen Putenerzeuger freiwillig. Bei auftretenden Krankheiten entscheidet ausschließlich ein Geflügelfachtierarzt über den Einsatz von Medikamenten.
Nachhaltige Weiterentwicklung der Haltungsstandards
Puten werden in Deutschland unter europaweit einzigartigen Tierschutzstandards gehalten. Diese Standards regeln das deutsche Tierschutzgesetz und eine freiwillige Vereinbarung, die der Verband Deutscher Putenerzeuger e.V. (VDP) 1999 gemeinsam mit Landesministerien und Tierschutzorganisationen unter Federführung des Bundesverbraucherschutzministeriums erarbeitet hat. Die Haltungsvereinbarung ist verbindlich für alle Mitglieder des VDP und gilt somit für rund 96 Prozent des gesamten Tierbestandes in Deutschland.
Einen neuen Weg bei der Entwicklung der Haltungsbedingungen und der Putenfleischerzeugung in Deutschland geht die Initiative Nachhaltige Deutsche Putenwirtschaft: Sie betrachtet Tierschutzfragen – dem Prinzip der Nachhaltigkeit folgend – gleichwertig im Zusammenhang mit dem Umweltschutz, wirtschaftlich-technischen Aspekten der Putenfleischerzeugung und Fragen des Verbraucherschutzes. Seit 2002 arbeiten Experten aus rund 30 Organisationen und Institutionen in der unabhängigen Initiative mit, die vom VDP ins Leben gerufen wurde. Die beteiligten Fachleute aus einzelnen Landesministerien, Verbraucher- und Tierschutzorganisationen, Handel, Wissenschaft und Landwirtschaft wirken aktiv und kontinuierlich am Meinungsbildungsprozess zu den Perspektiven der Putenfleischerzeugung in Deutschland mit.
Tiergesundheit im Zentrum
Ein Beispiel dieses Engagements: 1999 wurde in der freiwilligen Haltungsvereinbarung festgelegt, dass diese nach fünf Jahren auf Grund neuer wissenschaftlicher und praktischer Erkenntnisse überprüft werden soll. Die Experten der Initiative Nachhaltige Deutsche Putenwirtschaft haben dem Bundesverbraucherschutzministerium deshalb Ende 2004 ihre Position zur möglichen Weiterentwicklung der Haltungsvereinbarung mitgeteilt. Im Mittel-punkt steht dabei die Tiergesundheit. Ansätze sehen die Experten unter anderem in einem flexibleren Modell zur Festlegung der Besatzdichte in der konventionellen Bodenhaltung von Puten oder in der Schaffung von weiteren Bewegungsanreizen für die Tiere. Darüber hinaus bringen die Fachleute regelmäßig ihr gebündeltes Wissen zu Fragen der Putenhaltung in den politischen und rechtlichen Meinungsbildungsprozess auf Landes- und Bundesebene ein.
 
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